Internationale Luftfahrtmessen: Paris & Farnborough

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Wer glaubt, die Luftfahrtbranche schwebt über den Dingen, hat die weltweiten Luftfahrtmessen wohl noch nie aus nächster Nähe betrachtet. Paris, Farnborough… das klingt nach Croissants, Fish & Chips und Frauen in schicken Business-Kostümen, die zwischen Prototypen stolzieren. Aber nein, hier werden Milliarden bewegt – und das nicht nur in Euro oder Pfund, sondern in Formen, die auf den ersten Blick fast so schwer zu begreifen sind wie der Flug einer neuen A320-Variante.

Die Messe als Bühne: Drehbücher für Ingenieure

Luftfahrtmessen wie Paris oder Farnborough sind mehr als nur Schaulaufen für Technikbegeisterte, sie sind vielmehr theatralische Inszenierungen einer Branche, die uns allen einreden möchte, dass ohne ihr neuestes Triebwerk die Existenz der Menschheit auf dem Spiel steht. Hier wetteifern Giganten wie Boeing, Airbus und vielleicht auch jene renommierten Jetsetter aus Fernost um Aufmerksamkeit – während Zulieferer, Investoren und Regierungsdelegationen staunend und dezent nervös ihre Notizblöcke füllen.

Warum alle kommen (und keiner weiß, was er gesehen hat)

Natürlich behauptet jeder, nur für die Innovationen zu erscheinen. Aber sind wir ehrlich: Es geht um viel mehr. Kontakte, Verträge, Farbbilder für die Jahrespressekonferenz. Für Investoren eine Bühne für, na klar, Smalltalk zu horrenden Hotelpreisen. Und für Hersteller? Endlich eine Gelegenheit, der lästigen Konkurrenz den einen Flügel voraus zu sein. Wer noch daran zweifelt, ob Messen Zukunft haben, hat offensichtlich das letzte Kerosin-Angebot verpasst.

Präsentiert, was das Düsenherz begehrt

Auf der einen Seite der Messerundgang – von skulptural in Szene gesetzten Winglets bis hin zu 5G-enabled Bordtoiletten. Der Laie wundert sich: Wer braucht sowas? Die Branche lacht, denn spätestens beim nächsten Flug mit 47 Minuten Tür-zu-Tür-WLAN weiß man, Innovation ist Definitionssache. Flugzeuge werden neu erfunden, diesmal aber wirklich. Versprochen.

Paris: Wo Wein, Baguette und Weltraumraketen vereint werden

Die „Salon du Bourget“ in Paris ist vermutlich das einzige Event, bei dem man mit Blick auf Kampfjets darüber diskutiert, wie viele Shedded Particle Beams in den nächsten Satelliten geschraubt werden können. Hier treffen sich Minister und CEOs zum Plausch im Hangar, während draußen Drohnen durch die Luft kreischen: Business as usual mit dem gewissen, charmanten französischen Flair.

Farnborough: Das britische Wetter als Prüfstand für neue Schubdüsen

Wer das Vergnügen hat, im britischen Juli auf dem Rollfeld zu stehen, versteht schnell: Wenn ein Generator hier dem Regen trotzt, ist er vermutlich für jedes Wetter gewappnet. Farnborough ist technisch, trocken britisch und ganz charmant in der Inszenierung: „May I introduce you to our 100% emission free concept plane?“ – Und schon wünscht man sich die Rückkehr der Concorde, wenigstens für Schnellflieger zur nächsten Networking-Session.

Hybride Messeplattformen: Zwischen Old-School-Handshake und VR-Brille

Man könnte glauben, die Luftfahrt sei längst im Digitalzeitalter angekommen. Hybridformate gibt es auf den Messen jedenfalls genug: Termine in der App, Networking per QR-Code, „Live Demos“ aus der eigens programmierten Messespielewelt. Wer sich dabei fragt, ob es überhaupt noch physischen Flugzeuglärm braucht, hat die Rechnung ohne das Prestige gemacht. Denn noch immer gilt: Ein Foto neben dem neuesten Jet wirkt auf LinkedIn einfach besser als jedes AR-Overlay.

Weshalb sich das Milliardengeschäft Expo-Flughafen rentiert

Während einige schon wieder in die Zukunft der rein digitalen Events träumen, verteidigen die Großveranstalter von Paris bis Farnborough ihr Modell mit Nachdruck. Kein Wunder: Hier werden Deals eingefädelt, von denen ganze Lieferketten ein Jahr lang zehren. Für die Zulieferer ist die Messe oft das Überleben im Haifischbecken der Großaufträge. Die Investoren? Die wollen schlicht das Bild von CEOs mit Jetmotor im Rücken. Und Geschäftsanbahnungen in der VIP-Lounge, versteht sich – Freigetränk inklusive.

Wer ohne Auftritt bleibt, bleibt am Boden

Wer als Hersteller oder Zulieferer in der Branche mithalten will, kommt um einen Messeauftritt nicht herum. Die eigentliche Hauptrolle aber spielen Storytelling und der neue Buzzword-Bingo: „Nachhaltigkeit“, „Zero Emission“, „Urban Mobility“. Wer das nicht auf den Prospekten hat, kann gleich daheimbleiben – oder muss hoffen, dass wenigstens die Boardcrew noch beeindruckt ist.

Globale Trends: Zwischen grünem Feigenblatt und echtem Fortschritt

Nachhaltigkeit ist selbstverständlich das heilige Leitmotiv jeder Messepräsentation. Jeder Flieger ist jetzt „noch grüner“, jede Produktion „umweltverträglicher als je zuvor“. Wer den Nachhaltigkeitsbericht genauer liest, erkennt schnell: Die Wahrheit liegt meist irgendwo zwischen CO2-Kompensation und Styling der Triebwerkshüllen. Fakt bleibt: Ohne das jährliche Technik-Scharmützel auf den Messebühnen würde die Branche sich vermutlich nur halb so schnell selbst zum Trendführer küren.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Luftfahrtmessen der Motor einer ganzen Branche sind – mal laut und dramatisch, mal innovativ und versponnen. Wer nicht dabei ist, darf weiter auf kleinere Bühnen hoffen. Allen anderen bleibt das befriedigende Gefühl, wenigstens einmal im Jahr First Class zu netzwerken, den Duft von Flugzeuglack in der Nase, und zu wissen: nächstes Jahr beginnt das Spektakel von vorn. Wer es schafft, dabei nicht abzuheben, der hat die Luftfahrt wirklich verstanden.

   

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