
Viele kennen ihn, den Spruch: „Fachidiot schwätzt Kunden tot.“ Was steckt dahinter? Im Alltag begegnet man immer wieder Beratern, Verkäufern oder Experten, die das Gespräch mit ihren Kunden füllen – und zwar so ausführlich, dass die andere Seite kaum noch Luft bekommt. Statt hilfreicher Tipps, verständlicher Erklärungen und offener Kommunikation dominiert dann ein monologartiges Bombardement mit Fachbegriffen. Für viele Kunden ist das schnell ein Grund, innerlich oder sogar äußerlich das Gespräch zu beenden und nichts zu kaufen.
Fachidiotie – Wenn Wissen zur Distanz führt
Ein „Fachidiot“ ist zunächst einmal jemand, der viel Wissen in seinem Fachgebiet besitzt, dieses aber nicht so kommuniziert, dass Außenstehende folgen können. Besonders in beratungsintensiven Branchen – etwa im IT-Service, Versicherungswesen oder bei technischen Produkten – kann dieses Verhalten problematisch werden. Kunden wünschen sich jemanden, der ihre Bedürfnisse versteht und auf Augenhöhe kommuniziert. Wenn sie allerdings mit Begriffen wie Quantensprung, API-Schnittstelle oder Dualisierungsverfahren konfrontiert werden, fühlt man sich schnell überfordert und abgehängt.
Warum sprechen Experten so oft Fachchinesisch?
Oft mischt sich Stolz auf das eigene Wissen mit dem Wunsch, Kompetenz zu beweisen. Doch häufig steckt auch Unsicherheit dahinter: Wer viel weiß, will gerne zeigen, dass er Bescheid weiß. Hinzu kommt eine Art Betriebsblindheit – bestimmte Begriffe und technische Details erscheinen so selbstverständlich, dass Experten gar nicht bemerken, wie wenig verständlich sie für Außenstehende sind. Ein weiterer Grund ist, dass viele nie richtig gelernt haben, komplexe Sachverhalte so zu vermitteln, dass auch Laien sie verstehen können.
Die Konsequenzen: Überforderte Kunden kaufen nicht
Wird das Gespräch zu technisch, schaltet der Kunde schnell ab. Anstatt zuzuhören, erst recht nachzufragen oder Interesse zu zeigen, reagiert er mit Unsicherheit oder sogar mit Ablehnung. Viele hören dann lieber auf zu fragen, als sich bloßzustellen. Schließlich will niemand als unwissend erscheinen. Das Resultat: Das Gespräch endet ohne Ergebnis, das Vertrauen ist beschädigt – und der Verkauf findet nicht statt.
Wie gelingt verständliche Kommunikation?
Wer erfolgreich verkaufen oder beraten möchte, der sollte sich bewusst machen: Gute Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Statt den Kunden mit Fachwissen zu erschlagen, lohnt es sich, in einfachen Worten zu erklären, welche Vorteile ein Produkt oder eine Dienstleistung hat. Kurze, klare Sätze und bildhafte Vergleiche helfen, komplexe Inhalte herunterzubrechen. Dabei ist aktives Zuhören und Nachfragen das Mittel der Wahl, um herauszufinden, was der Kunde wirklich wissen möchte.
Empathie als Schlüsselkompetenz
Empathie ist dabei unerlässlich. Wer die Perspektive des Kunden einnimmt und Rückfragen stellt, zeigt nicht nur Interesse, sondern erfährt auch, wie weit sein Gegenüber wirklich im Thema ist. Es ist besser, Fragen offen zuzulassen und Verständnisfragen zu ermutigen, als auf hohem Niveau zu monologisieren. So entsteht ein echtes Gespräch auf Augenhöhe und nicht ein verhörähnlicher Vortrag.
Tipps für die Praxis: Expertenwissen verständlich verpacken
Um Fachidioten-Kommunikation zu vermeiden, empfiehlt es sich, den eigenen Wortschatz zu hinterfragen. Kann ich meine Produkte oder Dienstleistungen in drei Sätzen erklären, ohne einen technischen Begriff zu verwenden? Wenn nicht, lohnt sich eine Vereinfachung der eigenen Sprache. Auch Storytelling hilft: Eine anschauliche Geschichte oder ein alltägliches Beispiel bleiben besser im Kopf als ein komplizierter Vortrag.
Eine weitere Möglichkeit: Den Kunden aktiv einbeziehen. Nachfragen, aktiv zuhören und gemeinsam Lösungen erarbeiten schafft Nähe und Vertrauen. Dies führt zu mehr Verständnis, zu nachhaltigeren Kaufentscheidungen und zu einer stärkeren Kundenbindung.
Letztlich geht es nicht darum, das eigene Wissen zu verstecken, sondern es kundenorientiert einzusetzen. Wer als Experte wahrgenommen werden will, sollte in der Lage sein, sein Fachgebiet so zu erklären, dass jeder es verstehen und einen Mehrwert darin erkennen kann. Klare, empathische Kommunikation schlägt Fachsimpelei – und das überzeugt Kunden auf lange Sicht deutlich mehr als bloße Wissensdemonstration.
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