Unternehmenskultur messbar machen – geht das?

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Oft wird Unternehmenskultur als schwer fassbar beschrieben, als weiches Thema, das sich nur schwer greifen oder gar steuern lässt. Dennoch bestimmt sie maßgeblich, wie leistungsfähig und innovativ ein Unternehmen agiert – und kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Aber wie gelingt es, dieses komplexe Thema zu beurteilen und gezielt zu entwickeln?

Warum Unternehmenskultur entscheidend für den Unternehmenserfolg ist

Unternehmenskultur beeinflusst beinahe alle Prozesse – von der Zusammenarbeit im Team bis hin zur langfristigen Strategie. Sie umfasst die geteilten Werte, Normen und Überzeugungen, die das tägliche Handeln und Entscheiden bestimmen. Ist die Kultur von Vertrauen, Offenheit und Lernbereitschaft geprägt, steigt die Motivation und Produktivität der Mitarbeitenden. Gegenteilig wirken Misstrauen, Unsicherheit oder ineffiziente Kommunikationswege: Sie bremsen Innovation und erzeugen Reibungsverluste.

Leistung und Kultur: Eine Wechselwirkung

Studien zeigen: Unternehmen mit starker, wertschätzender Kultur sind resilienter und erfolgreicher, insbesondere in herausfordernden Zeiten. Kultur beeinflusst nicht nur, wie Veränderungen angenommen werden, sondern auch, wie konfliktfähig Teams sind und wie sehr Mitarbeitende sich mit dem Unternehmen identifizieren. Weil sie nicht direkt messbar scheint, wird Kultur allerdings häufig stiefmütterlich behandelt – zu Unrecht.

Unternehmenskultur analysieren: Erste Schritte und Methoden

Der Wunsch, Unternehmenskultur systematisch zu messen, ist nicht neu. Die gute Nachricht: Es gibt mittlerweile zahlreiche Methoden und Werkzeuge, mit denen sich sowohl die „Ist-Kultur“ als auch gedachte Zielbilder erfassen lassen. Entscheidend ist, eine strukturierte Herangehensweise zu wählen, die qualitatives und quantitatives Vorgehen verbindet.

Mitarbeiterbefragungen und Interviews als Basis

Eine der direktesten Möglichkeiten sind anonymisierte Mitarbeiterumfragen. Sie liefern einen Überblick, wie sich Werte, Führungsstil oder Kommunikation im Alltag manifestieren. Ergänzt werden können sie durch qualitative Interviews und Fokusgruppen, die ein tieferes Verständnis schaffen. Wichtig dabei: Offenheit und Vertraulichkeit sind Voraussetzung, damit ehrliche Rückmeldungen entstehen.

Kennzahlen und Beobachtungen

Ergänzend bieten sich Kennzahlen wie Fluktuationsrate, Fehlzeiten oder interne Beförderungsquoten an. Sie geben Hinweise darauf, wie wohl sich Mitarbeitende fühlen und wie attraktiv das Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Dennoch müssen diese Daten immer in den Kontext der Gesamtorganisation gestellt und qualitativ interpretiert werden.

Vom Befund zur Entwicklung – wie Kultur gezielt verändert werden kann

Das bloße Messen ist nur der erste Schritt. Wichtig ist, aus gewonnenen Erkenntnissen konkrete Entwicklungsimpulse abzuleiten. Zentrale Fragen sind dabei: Welches kulturelle Zielbild möchte das Unternehmen erreichen? Und welche Hebel sind maßgeblich, um dorthin zu gelangen?

Kulturziele definieren und verankern

Idealerweise wird ein Zielbild der gewünschten Unternehmenskultur gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitenden entwickelt. Hierbei helfen Leitlinien, die konkret und nachvollziehbar formuliert werden – etwa zu Themen wie Fehlerkultur, Innovationsbereitschaft oder Diversity. Besonders wirksam: Führungskräfte nehmen eine Vorbildfunktion ein und leben die angestrebten Werte authentisch vor.

Maßnahmen und Interventionen

Veränderungen in der Unternehmenskultur brauchen Zeit und ein klares Konzept. Erfolgreiche Impulse können beispielsweise folgende sein: Workshops zu Feedback- und Fehlerkultur, regelmäßige Austauschformate über Bereichsgrenzen hinweg, das Sichtbarmachen positiver Beispiele oder das Anpassen von Zielvereinbarungen und Anreizsystemen. Entscheidend ist, Veränderungen erfahrbar zu machen – im Alltag sichtbar und spürbar.

Monitoring, Feinjustierung und Nachhaltigkeit

Die Entwicklung der Unternehmenskultur ist nie abgeschlossen. Deshalb ist es essentiell, regelmäßig zu überprüfen, welche Wirkung eingeleitete Maßnahmen tatsächlich entfalten. Ein kontinuierliches Monitoring über kurze Umfragen (Pulse Checks), informelle Feedback-Runden oder das Tracking relevanter HR-Kennzahlen erleichtert es, den Kurs zu halten und Fehlschläge frühzeitig zu erkennen.

Der Faktor Kommunikation

Offene und transparente Kommunikation ist ein Anker im Veränderungsprozess. Nur wenn der Sinn hinter neuen Maßnahmen verständlich vermittelt wird, gelingt es, alle Mitarbeitenden einzubinden und die notwendige Akzeptanz zu sichern. Hierbei ist insbesondere die Führung gefragt, anspruchsvolle Themen sensibel und konsequent zu begleiten.

Tipps für die Praxis: So machen Sie Unternehmenskultur messbar und entwicklungsfähig

  • Starten Sie mit einer ehrlichen und offenen Analyse – auch unangenehme Erkenntnisse sind wertvoll.
  • Erheben Sie regelmäßig Stimmungsbilder und kombinieren Sie quantitative und qualitative Methoden.
  • Definieren Sie gemeinsam mit Schlüsselpersonen ein attraktives Zielbild.
  • Steuern Sie den Wandel über konkrete, sichtbare Maßnahmen.
  • Legen Sie Wert auf eine strukturierte und nachvollziehbare Kommunikation der Ergebnisse und nächsten Schritte.
  • Betrachten Sie Unternehmenskultur als fortlaufenden Prozess – keine einmalige Aktion.

Unternehmenskultur ist kein Selbstläufer, sondern Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Wer sie bewusst misst, bewertet und gezielt gestaltet, verschafft sich mehr als nur ein angenehmes Arbeitsklima: Er steigert die Performance, fördert Innovationskraft und macht das Unternehmen attraktiv für Talente – heute und in Zukunft.

   

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