Analoge Büro-Gadgets erleben ihr Comeback

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Filofax, Notizbücher und mechanische Organizer: Genau das, wonach sich das hippe Digitalnomaden-Herz in Zeiten der vierten Zoom-Konferenz am Tag sehnt, oder? Während sämtliche KollegInnen wie wild auf ihren bunten Apps herumtippen, vollziehen analoge Büro-Gadgets ein lupenreines Revival – ganz ohne Akkugejammere und Software-Updates fürs To-do-Listen-Widget.

Zurück in die Zukunft: Warum Analog wieder sexy ist

Es gibt sie tatsächlich noch, die Wesen, die morgens einen Notizblock statt eines Tablets aufschlagen. Und während der Rest der Welt in der Cloud verdampft, kritzeln sie genüsslich mit einem Stift (ja genau, dieses alte Ding mit Miene und Spitze). Aber warum erlebt diese augenscheinliche Steintafeltechnik ein Comeback?

Ganz einfach: Inmitten digitaler Informationsflut will das Gehirn Filterkaffee statt Flat White – und ein handgeschriebener Termin kann nicht im Papierkorb landen, wenn sich der E-Mail-Client mal wieder selbst zerstört. Analoge Tools bieten Struktur, Übersicht und fördern ganz nebenbei so etwas wie Kreativität, denn ein leeres Blatt Papier ist bekanntermaßen die Mutter aller Einfälle (und Einkaufslisten).

Filofax und Notizbücher: Dinosaurier mit Statussymbol-Charakter?

Ein Filofax auf dem Schreibtisch signalisiert: „Ich kann noch mit der Hand schreiben – und zwar leserlich!“ Doch der wahre Coup liegt im utopischen Vorteil, dass dieser mächtige Helfer weder abstürzt noch die IT-Abteilung mit Updates belästigt. Notizbücher feiern als Placebo gegen Digital Burnout ihr Comeback und haben dabei die Frechheit, in edlem Kunstleder oder Moleskine daherzukommen. So bekommt selbst die Wichtigkeitskategorie „Milch steht auf der Einkaufsliste“ einen Hauch von Stil und System.

Der mechanische Organizer – wie ein Excel, das auf Papier schwitzt

Nicht zu vergessen: Der mechanische Organizer, das ultimative Tool für alle, die auch ohne Touchscreen wissen, wie man sich organisiert. Registerblätter lassen sich drehen, tauschen und mit bunten Stickern versehen – Netzwerkausfall und leere Batterie? Ein Problem für die anderen. Für Puristen ist das Durchblättern der eigenen Monatsplanung ganz klar Genuss statt Pflichtübung.

Mehr Struktur, weniger Hirnkrampf: Analoge Tools bringen Übersicht

Wer FOMO (Fear of Missing Out) auf Tech-Tools hat, sollte wissen: Die Übersicht über Projekte, Deadlines und Kontakte lässt sich auch ganz ohne Datenleck bewahren. Ein Notizbuch will nicht alle 10 Minuten ein Update; es zwingt uns nicht, Push-Mitteilungen zu akzeptieren; und seine Seiten löschen sich nur dann, wenn der Kaffee darüber kippt – was meist schneller auffällt als das Löschen in der Cloud.

Die Vorteile hört man selten in Unternehmenspräsentationen, doch sie liegen auf der Hand: Analoge Tools entschleunigen, reduzieren den Reizflut-Kontostand und sorgen für ein Erinnerungsvermögen, das auch dann noch funktioniert, wenn das WLAN die Grätsche macht. Das nennt man dann wohl Resilienz, aber eben oldschool.

Kreativität – die analoge Superkraft

Digitale Tools sind effizient – ohne Frage. Aber dass Kreativität vom Kopieren und Pasten aus Evernote auf den Geistesblitz zum nächsten Unicorn-Startup überspringt, bleibt ein Mythos. Handschrift fördert die Merkfähigkeit ebenso wie die Kreativität; immerhin lässt sich beim Kritzeln im Notizbuch trefflich herumspinnen, was in der Task-Management-App gnadenlos der Funktionalität geopfert wird.

Wo Papierlogistik an ihre Grenzen stößt

Natürlich gibt es auch Momente, in denen selbst der leidenschaftlichste Notizbuch-Champion kapituliert. Wer seine Mitschriften mal eben an 42 Kollegen verschicken möchte, steht mit Papierblättern schnell da wie zu Gutenberg’s Zeiten – und muss kopieren, lochen, einscannen. Das kann keine App so analog! Und natürlich bleiben digitale Kalender unschlagbar, wenn sich der Chef für den 4. Nachmittags-Termin am Freitag in den Outlook eintragen möchte.

Das Revival als Protestbewegung?

Sind die Filofax-LiebhaberInnen also Revolutionäre im eigenen Großraumbüro? Vielleicht. Denn analoge Gadgets im digitalen Setting sind auch ein Statement: Gegen die ständige Erreichbarkeit, gegen die Schrankenlosigkeit der Datenhaltung und für eine kleine Portion Selbstbestimmung – jedenfalls solange, bis das günstige Notizbuch nach 13 Seiten auseinanderfällt.

Wer heute sein Büro neu ausstattet, sollte sich die Frage stellen, wo analoge Tools gewinnbringend Ergänzung bieten. Ein Notizbuch für schnelle Ideen, ein Filofax für die persönliche Jahresplanung und ein mechanischer Organizer für besonders wichtige Kontakte mögen im ersten Moment wie Anachronismen wirken, bieten aber – ganz unironisch – echte Vorteile in Sachen Übersicht, Klarheit und wohltuender Entschleunigung. Denn manchmal lässt uns erst der Blick aufs analoge Papier erkennen, was in der digitalen Welt längst untergegangen ist. Einen Versuch ist es wert – und wenn es nur dafür ist, am nächsten Tag beim Kaffee eine weitere To-do-Liste im neuen Notizbuch anzulegen.

   

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