Prompting ist das neue Briefing: Wie sich Kommunikation mit KI verändert

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In der komplexen Welt digitaler Arbeitsprozesse hat sich eine grundlegende Verschiebung vollzogen. Wo früher klassische Briefings zum Standard gehörten, bestimmt heute das sogenannte „Prompting“ zunehmend die Schnittstelle zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz. Der Wechsel von analoger Anweisung zur digitalen Eingabe ist jedoch alles andere als ein simples Rebranding alter Methoden – vielmehr offenbart sich ein tiefer Wandel im kreativen und strategischen Denken.

Von der Anweisung zum Dialog

Briefings waren bislang in Werbeagenturen, Redaktionen und Beratungsfirmen die Norm. Ein Briefing strukturiert Anforderungen und Erwartungen, es ist ein festgelegtes Dokument, das meist einseitig kommuniziert wird. Das Prompting hingegen lebt vom Dialog. Es fordert und fördert kontinuierliches Nachsteuern, schnelle Iterationen und Anpassungen. Wer promptet, führt einen fortlaufenden Prozess – der Fokus verschiebt sich auf Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und genaue Zieldefinitionen.

Handwerk und Kreativität im Wandel

Das klassische Briefing erforderte eine umfassende Vorbereitung, inhaltliche Klarheit und eine präzise Definition der gewünschten Ergebnisse. Fehler oder Unklarheiten führten oft zu Missverständnissen, die sich nur zeitaufwendig korrigieren ließen. Mit KI-basierten Systemen wird nicht nur das Endprodukt, sondern auch der eigentliche Entstehungsweg neu gestaltet. Es geht weniger ums einmalige, perfekte Anweisen – wichtiger ist die Fähigkeit, durch gezielte Prompts das bestmögliche Resultat zu „erarbeiten“.

Paradigmenwechsel sind selten bequem. Besonders für Berufsfelder, die auf bewährten Strukturen bauen, bedeutet diese Transformation Unsicherheit und Neulernen. Doch darin liegt zugleich die Chance: Prompting verlangt ein präzises Verständnis der eigenen Ziele und Erwartungen. Wer hier unscharf arbeitet, erhält von der KI ebenfalls diffuse oder belanglose Ergebnisse. Der Schlüssel zum Erfolg liegt daher im präzisen, iterativen Formulieren und Reflektieren – Eigenschaften, die bislang vor allem der Kreativbranche, nun aber allen digitalen Arbeitsbereichen abverlangt werden.

Prompt-Engineering als neue Schlüsselkompetenz

Prompting ist längst keine digitale Spielerei mehr, sondern bildet zunehmend das Fundament produktiver Arbeit mit GPT, DALL-E und anderen generativen KI-Systemen. Prompt-Engineering, also das geschickte Erstellen, Testen und Optimieren von Prompts, etabliert sich als unverzichtbare Kompetenz. Ohne ein Verständnis der Funktionsweise der KI, ihrer Stärken, Schwächen und Eigenheiten, bleibt das Potential ungenutzt und die Ergebnisse enttäuschend.

Hierbei muss betont werden: Prompting ist kein Allheilmittel. Nur weil die Tools einfach bedienbar erscheinen, lassen sich durch schlampige oder zu offene Anweisungen weder innovative noch wirkungsvolle Ergebnisse hervorbringen. Ganz im Gegenteil: Je präziser das Prompt, desto klarer die Resultate – ein Prinzip, das nach wie vor auch für klassische Briefings galt, aber nun in weit kürzerem Takt zum Tragen kommt.

Kommunikative Verantwortung neu denken

Die Einführung von Prompting als Standard verändert auch die Rollenverteilung im Team. Plötzlich sind auch jene Mitarbeiter gefordert, die bisher wenig mit Texterstellung oder kreativen Prozessen zu tun hatten. Der Zugang zu generativer KI ist niedrigschwellig, doch die Verantwortung für Klarheit, Ethik und Qualität steigt. Es entstehen neue Fragen: Wer übernimmt letztlich die Verantwortung für das Ergebnis? Wie lassen sich übergreifende Qualitätsstandards sicherstellen? Und wie werden Fehlinformationen oder Fehlanreize schnell erkannt und korrigiert?

Hinter dem Trend „Prompting ist das neue Briefing“ verbirgt sich daher nicht nur technischer Fortschritt, sondern ein massiver kultureller Umbruch. Galt früher das Prinzip, dass klare Anweisungen zu verlässlichen Resultaten führen, ist es nun die Aufgabe, durch iterative, intelligente Prompts das Optimum aus der KI herauszuholen. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und fortlaufende Kommunikation rücken stärker in den Fokus und definieren die neue Arbeitsrealität.

Ergebnisorientierung vs. Prozessorientierung

Konventionelle Briefings waren überwiegend auf das Endergebnis fokussiert. Prompting öffnet hingegen den Weg zu einer dynamischen Prozesskultur: Es geht nicht nur um das Endprodukt, sondern um das „Wie“ des Entstehens. Fehler werden nicht als Rückschläge, sondern als notwendige Schritte auf dem Weg zur Lösung verstanden. Das verändert nicht nur das Selbstverständnis ganzer Branchen, sondern fördert auch eine offenere Fehlerkultur – beschleunigt durch die kurzen Feedbackschleifen der KI.

Unternehmen, die diesen Wandel proaktiv gestalten, profitieren doppelt: Sie erreichen mit geschicktem Prompting schneller hochwertige Ergebnisse und fördern zugleich die Entwicklung neuer, agiler Arbeitskulturen. Was bleibt, ist die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion der eigenen Kommunikationsstrategien im Hinblick auf KI-Einsatz. Nicht jedes Briefing wird durch Prompting überflüssig – doch der Gedanke dahinter ist klar: Wer weiterhin auf einseitige Vorgaben setzt, wird im Zeitalter der generativen KI nur schwer konkurrenzfähig bleiben.

Prompting verlangt keinen radikalen Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine Weiterentwicklung bekannter Prinzipien. Es bedeutet, alte Denkmuster neu zu lesen und die Fähigkeiten zur klaren, gezielten Kommunikation zu intensivieren. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, nicht dem Irrglauben zu verfallen, künstliche Intelligenz mache menschliche Gestaltung überflüssig. Vielmehr ist es die Kunst, den Dialog zu gestalten – zwischen Mensch, Maschine und den Zielen jedes Projekts. Wer dies versteht, wird das Beste aus beiden Welten verbinden können: Präzision, Effizienz und kreative Spielräume.

   

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