eRecruiting-Plattformen im Vergleich

Bizzino - Online-Magazin für die Business-Welt Business-Magazin B2B-Magazin Business-Portal

Von StepStone über LinkedIn bis hin zu exotischen Nischenportalen – die Auswahl an eRecruiting-Plattformen gleicht einem bunten Strauß eindeutiger Verheißungen: Hier finden Sie garantiert den perfekten Kandidaten! Doch welche dieser digitalen Wunderwaffen entfaltet ihr Potenzial auch tatsächlich im B2B-Bereich? Oder ist die Jobsuche am Ende doch ein synaptisches Glücksspiel auf einem veralteten Digital-Karussell?

Der Plattform-Dschungel: Mehr Auswahl als Talente

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Die Auswahl an Recruiting-Plattformen ist 2024 größer denn je (und wahrscheinlich 2026, 2030 und 2050 immer noch). LinkedIn? Logisch, weil da die halbe Business-Welt ihre Urlaubsfotos postet und sich gegenseitig zu neuen Rekordumsätzen gratuliert. StepStone? Das Bollwerk des Brot-und-Butter-Arbeitsmarktes. Aber daneben gibt es noch Indeed, Monster, Glassdoor und gefühlt 780 Nischenplattformen, für die sogar der letzte SAP-Archäologe seinen antiken Lebenslauf noch ausrollt.

LinkedIn & Xing: Wenn Netzwerken neue Bedeutungen bekommt

Netzwerken heißt auf LinkedIn oder Xing längst nicht mehr, den Kollegen von der Konkurrenz ein unverbindliches ‚Hallo‘ zu schicken. Vielmehr gleicht das Prozedere einer freundlichen Massenakquise, bei der Nachrichten mit dem Betreff „Spannende Herausforderung für Sie!“ schneller im Posteingang landen als die Mittagspause beginnt. Während LinkedIn international wirkt und Xing irgendwie noch auf seine Renaissance wartet, kann man mit beiden Plattformen schlichtweg: Sichtbar sein. Ob Sie dann auch den passenden Bewerber bekommen? Meistens bekommen Sie viele Bewerber. Die Passung… ist eine andere Debatte.

StepStone & Co.: Die altbewährten Platzhirsche

Wer StepStone, Monster oder Indeed nutzt, erwartet Reichweite, Sichtbarkeit und das Gefühl, alles „richtig“ zu machen. Doch im digitalen Anzug steckt oft noch das Herz einer klassischen Stellenbörse: Ein Text, ein paar Benefits aus der Mottenkiste und dann ab dafür ins große Talent-Lotto. Die Bewerber sind vielfältig, die Ergebnisse… gemischt. Besonders der Maschinenbau freut sich über originelle Bewerbungen von Sozialpädagogen, während der IT-Sektor regelmäßig feststellt, dass die „mindestens zehn Jahre Erfahrung“ offenbar erst ab Geburt zählen.

Spezialisierte Portale: Klein, fein – und (zu) exklusiv?

Es gibt sie, die Spezialisten unter den Jobplattformen: von juristischen Portalen, IT-Börsen bis hin zu geografisch stark eingegrenzten Lösungen. Sie versprechen weniger Streuverlust, exklusivere Kandidaten und „keine Zeitverschwender im Bewerberpool“. Die Realität? Oft teurer, manchmal hilfreich, aber nicht selten mit dem Nebeneffekt, dass Sie für jede Berufsgruppe ein weiteres Dutzend Login-Daten verwalten dürfen. Dafür sparen Sie immerhin: Zeit, Geld und Nerven. Zumindest in der Theorie.

Was bringt wirklich Reichweite?

Reichweite ist im Recruiting das neue Nirwana. Wer viel Reichweite will, muss auf maximal vielen Kanälen vertreten sein – unabhängig davon, ob die Stellenanzeige nach dem Kreuzworträtsel oder zwischen den neuesten AI-Trends platziert wird. Viele Unternehmen setzen daher auf Multi-Postings – nur dass am Ende leider häufig Mehrfachbewerbungen der gleichen Motivationsschreiben unser aller E-Mail-Postfächer verstopfen. Doch wer kann dazu schon Nein sagen, wenn große Recruiting-Tools dies mit schicken Dashboards, Trendcharts und dem Versprechen 42.000 potenzieller Kandidaten verkaufen?

B2B-Recruiting: Wer braucht eigentlich noch Nischenportale?

Im B2B-Bereich erscheinen Nischenplattformen wie die Rettung vor der Masse an nicht passenden Bewerbungen. Die Versprechungen klingen zu schön, um wahr zu sein: Handverlesene Spezialisten, Branchenfokus, keine Ahnungslosen. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo zwischen Goldgräberstimmung und schlecht gewürztem Eintopf. Für hochspezialisierte Stellen sind Nischenportale tatsächlich manchmal das Zünglein an der Waage, für alle anderen reicht eine kluge Mischung aus Massen- und Spezialportalen – plus einer Prise gesundem Menschenverstand.

Performance – oder: Wer stellt hier eigentlich wen ein?

Die Performance der eRecruiting-Plattformen wird natürlich gern mit Zahlen untermauert: Cost-per-Hire, Time-to-Hire, Candidate Experience, Conversion-Rate, Anzahl der Bewerber pro Klick und so weiter. Am Ende bleibt dennoch immer derselbe Reflex: Noch ein neues Tool dazubuchen, vielleicht hilft ja diesmal das Dashboard weiter! Wer übrigens glaubt, Daten seien der Heilige Gral der Auswahlprozesse, irrt: Zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden oft die Kandidaten, die „irgendwie nett gewirkt haben“ – und weniger die, die das Recruiting-Tool ganz oben ausgespuckt hat.

Fazit: Recruiting-Realität zwischen Plattform-Mythen und Alltagswahnsinn

Die Entscheidung für oder gegen eine eRecruiting-Plattform ist wie der Versuch, an einem Montagmorgen das perfekte Croissant zu finden: Sie können den Bäckereimarathon laufen, oder Sie nehmen das, was am wenigsten verbrannt aussieht. Wer glaubt, es gäbe die eine, perfekte Plattform zur exklusiven Talentgewinnung, glaubt vermutlich auch noch an das papierlose Büro. Die Realität bleibt: Die ideale Recruiting-Strategie besteht aus gesunder Skepsis, einem Gespür für die Zielgruppe – und dem Wissen, dass keine Plattform der Welt einen schlechten Bewerbungsprozess kompensieren kann.

Weil keine Plattform Ihr Recruiting-Märchen garantiert zum Happy End führt, lohnt es sich, kritisch zu hinterfragen, zu experimentieren – und vor allem den Menschen hinter den Tools nicht ganz zu vergessen. Starten Sie den Plattformvergleich mit einer Portion Selbstironie. Die nächste Überraschung wartet bestimmt schon im Posteingang – und vielleicht ist es diesmal sogar der passende Kandidat.

   

Haben auch Sie ein Business oder ein Projekt über das es sich lohnen würde zu berichten? Schreiben Sie uns!