
Glauben Sie noch an das Märchen, dass neue Kunden Ihre Unternehmenswebsite nur finden, wenn Sie irgendwo im Nirgendwo von Google auf Seite sieben herumlungert? Willkommen im Jahr 2024, wo Unternehmen darauf angewiesen sind, ihre digitale Präsenz auf sogenannten Firmensuchmaschinen zu optimieren. Klingt nach der Revolution – oder ist es nur ein neues Buzzword für uralte Branchenverzeichnisse im schicken Digital-Look?
Die neue Welt der B2B-Portale: Da sein ist alles
B2B-Portale sind nicht etwa die neuen Facebooks. Nein, sie sind viel charmanter: Ein B2B-Portal verspricht Sichtbarkeit dort, wo tatsächlich potenzielle Kunden suchen. Jedenfalls, wenn man der Marketingabteilung Glauben schenken darf. Die Realität sieht oft so aus: Einträge, die vor lauter Textwüsten und Logos nicht mehr wissen, ob sie verkaufen oder langweilen sollen.
Firmensuchmaschinen: Hoffnungsträger oder Zeitfresser?
Früher schlugen Vertriebler mit goldener Krawatte die Gelben Seiten auf, heute klicken sie durch Branchenportale. Der Vorteil? Statt zehn Minuten Blättern reichen nun drei Minuten zielloses Scrollen. Aber Achtung: Nur wer sein Firmenprofil bis ins letzte Detail aufbläst, zwischen Schlagwort-Salat und Buzzword-Auflauf, kann sich Hoffnung machen, auch gefunden zu werden. Oder zumindest kann er darauf hoffen, dass die eigene Konkurrenz noch unsichtbarer ist.
Einträge mit System – oder wie man in der Masse untergeht
Man nehme: ein schönes Logo, ein paar markige Unternehmensslogans und den immer wieder gern gesehenen Claim vom „führenden Anbieter“. Wer es jetzt noch schafft, alle Pflichtfelder mit möglichst generischem PR-Sprech zu befüllen, der ist zwar gelistet, aber leider genauso austauschbar wie jede PowerPoint-Präsentation am Montagmorgen.
Doch Halt! Es gibt Hoffnung. Suchmaschinen der Portale lieben Fakten, Zahlen und am besten ein flotter USP (der übrigens im Idealfall auch der Wahrheit entspricht). Wer clever optimiert, kann sich tatsächlich neue Anfragen sichern – sofern er die richtigen Keywords nutzt. „Innovative Gesamtlösungen“ bringt Sie übrigens genauso weit wie „Ich verkaufe Sand in der Wüste“.
Keyword-Zauberei oder: Wie Sie perfide zwischen Sichtbarkeit und Seriosität balancieren
SEO-Optimierung im Branchenverzeichnis heißt: Schütten Sie relevante Schlagworte über Ihre Firmenbeschreibung wie Parmesan über die Spaghetti – aber bitte stilecht und nicht mit der Schaufel. Niemand glaubt, dass Sie der einzige Anbieter für alles sind, der irgendwie mit „individuell“ und „modular“ hantiert. Wählen Sie Begriffe, die Ihre Zielgruppe tatsächlich sucht – und nicht das, was Ihre Geschäftsleitung in die letzte Broschüre diktieren wollte.
Der Weg zur Sichtbarkeit: Sind Sie Eintrag oder Unternehmen?
Das Ziel ist klar: Sichtbarkeit, Reputation, neue Kontakte. Was aber landet tatsächlich bei Ihnen? Die Wahrheit ist meist irgendwo zwischen einer Flut uninteressanter Anfragen und gelegentlichen echten Leads. Konsequent gepflegte Einträge, aktuelle Kontaktdaten und Referenzen sind kein Hexenwerk, aber auch keine Raketenwissenschaft. Übertreiben Sie es nicht mit Übertreibungen. Authentizität sticht künstliche Perfektion – zumindest im digitalen B2B-Sumpf.
Mit einfachen Tricks zum Portal-Profi
- Regelmäßig aktualisieren (ja, auch die Telefonnummer!)
- Kurz und bündig: Weniger ist oft mehr (Outsourcing der Mimimi-Texte)
- Mit Referenzen punkten, statt mit Worthülsen prahlen
- Call-to-Action nicht vergessen: Wer Sie kontaktieren will, sollte es schnell finden
- Bilder sagen mehr als 1.000 Worte (vorzugsweise von Ihren Produkten, nicht vom letzten Betriebsausflug)
Neue Kunden gewinnen oder Wunschdenken?
Fakt ist: Niemand legt nachts wach, weil er auf Firmensuchmaschinen nicht gefunden wird. Aber selbst die notorisch optimistische Marketingleitung muss anerkennen, dass ein gepflegter, keywordoptimierter Unternehmenseintrag Chancen eröffnet, die mit der klassischen Kaltakquise am Telefon nur schwer zu erreichen wären. Es bleibt also ein Spiel: Mit etwas Glück und viel Optimierung zieht Ihr Unternehmen einen potenziellen Superkunden an Land – oder zumindest einen, der schon mal von Ihnen gehört hat, bevor er anruft.
Eine Firmensuchmaschine ist kein goldener Gral, aber auch keine Zeitverschwendung: Wer den digitalen Griff nach Sichtbarkeit nicht scheut, erkennt schnell, dass zwischen Textwüste und Keyword-Plantage Platz ist für gutes Marketing. Wenn Sie ohnehin schon im Branchenportal stehen – machen Sie es richtig. Wer weiß, vielleicht retten Sie so den Umsatz. Oder zumindest die Laune der Marketingabteilung für einen Tag länger.
Haben auch Sie ein Business oder ein Projekt über das es sich lohnen würde zu berichten? Schreiben Sie uns!
