Metropolen als Wirtschaftsmotoren der Zukunft

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Es gibt nur zwei Arten von Städten: Metropolen und der Rest. Während Letztere sich noch schwere Gedanken machen, wo man am besten das neue Einkaufszentrum platziert, sind Metropolen längst dabei, sich als schimmernde, autarke Wirtschaftswelten neu zu erfinden. Die neue Religion lautet: Urbanisierung, Innovation, Kapitalfluss. Und wer jetzt noch meint, mit einem netten Wochenmarkt oder ein paar veganen Cafés Schritt halten zu können, dem sei gesagt: Millionenstädte sind die wahren Treiber von Wachstum, Produktivität und dem, was wir im Landläufigen als „internationalen Wettbewerb“ bezeichnen.

Urbanisierung als Wachstums-Katalysator – oder das neue Monopoly?

Wer hätte gedacht, dass eine gut gefüllte U-Bahn zu Betriebsbeginn als Sinnbild für ökonomische Power gelten darf? Schauen wir nach London, Shanghai oder eben auch unser beschauliches Berlin: Die Magnetkraft der Städte liegt weniger in ihrer romantischen Architektur als vielmehr im ständigen Anziehungsfeld von Fachkräften (und solchen, die es werden wollen), Kapital und Unternehmen. Urbanisierung? Nennen Sie es gerne auch die Renaissance eines gigantischen Immobilien-Monopoly. Überall werden Flächen verdichtet, Baustellen blinken wie Girlanden und die Mietpreise steigen exponentiell – ein erstaunlich wirkungsvoller Katalysator für wirtschaftliches Wachstum, Innovation und gelegentliche Schnappatmung auf dem Wohnungsmarkt.

Innovation im Großstadt-Dschungel: Wer zu spät kommt, bleibt auf der Strecke

Metropolen sind nicht nur Brutstätten für individuelle Selbstfindungskrisen, sondern vor allem Innovationslaboratorien der Extraklasse. Start-ups keimen hier wie Unkraut in frisch verlegtem Rollrasen. Forschungseinrichtungen schießen schneller aus dem Boden als hippe Foodtrucks und Konzerngiganten denken laut über ihre nächste „Urban Strategy“ nach – und, seien wir ehrlich, die Hoffnung auf Fördergelder schwingt immer mit.

Selbstverständlich lässt sich die Produktivität überall steigern – auf dem Dorf müssten Sie allerdings Hühner und Traktoren für die Mittagspause motivieren. In der Metropole übernimmt das die allgegenwärtige Datencloud. Innovation meint hier: Wer nicht digitalisiert, der verliert, und zwar nicht nur die Anschlussstelle am Ring.

Kapitalströme: Die stille Macht der Geldvermehrung – aber bitte mit Stil

Kapital folgt der Attraktivität – und wo lebt es sich attraktiver als an Orten, wo sich Millionen tagtäglich auf den Zehenspitzen gegenseitig überholen? Großstädte bieten eben nicht nur die Bühne für das Kindertheater „Bekenntnisse eines ÖPNV-Pendlers“, sondern werden zu eigenen Wirtschaftsräumen, in denen Geld mehr Möglichkeiten findet, sich selbst zu reproduzieren.

Investitionen in Start-ups, Immobilien oder Infrastruktur erscheinen hier wegweisend. Noch nie war „Betongold“ so beliebt – und die nächste Runde im Stadtentwicklungspoker wird ganz sicher mit größeren Einsätzen gespielt. Metropolen sind damit nicht nur Magnet für Kapital, sondern auch für schöne PowerPoint-Präsentationen und überdimensionierte Urban-Visionen auf internationalem Parkett.

Globale Konkurrenz: Städte, die sich wie Unternehmen benehmen

Gegenüber dem globalen Dorf wirkt das städtische Alphabet wie das neue Periodensystem der Wirtschaft: Hier wimmelt es von A (wie Architekturprojekte) bis Z (wie Zuzug internationaler Talente). Metropolen agieren längst als selbstbewusste Kontrahenten, fischen Talente aus den Pools der Konkurrenten und inszenieren sich auf Investoren-Events mit PR-Glamour, der jedem Techno-Club Konkurrenz macht.

Innovation, Digitalisierung, Infrastrukturprojekte – alles wird zum Schauplatz urbaner Selbstinszenierung. Der internationale Wettbewerb um Unternehmen, Köpfe und Kapital ist derweil ein harter Tanz. Wer für Berlin, Paris oder New York schwärmt, tut das mit dem Understatement eines Hochleistungssportlers – nur dass der wahre Sprint nicht auf der olympischen Bahn, sondern auf dem Immobilienmarkt oder im Coworking-Space stattfindet.

Die Schattenseiten: Wo Licht ist, ist auch städtische Überforderung

Natürlich bezahlt man für wirtschaftliche Attraktivität seinen Preis. Luft zum Atmen? Gibt’s in der Rushhour höchstens zu Einkaufspreisen. Steigende Mieten lassen ebenso grinsen wie die Aussicht auf 40 Minuten Parkplatzsuche und die charmante Geräuschkulisse einer niemals schlafenden Stadt. Die glitzernden Zukunftsvisionen entwickeln ihren Reiz eben auch deshalb, weil sie – im Gegensatz zum Arbeitsweg – noch nicht im Stau stehen.

Nicht umsonst diskutiert man unermüdlich über neue Verkehrskonzepte, Wohnmodelle und, wie originell, digitale Verwaltungsträume. Wer glaubte, die Zukunft des Wirtschaftswachstums gestalte sich von alleine in den smarten Hochhäusern, darf spätestens im Herbstlaub der Wohnungsnot etwas Demut üben.

Metropolen als Erfolgsmodell – oder Überforderungsmaschine?

Es bleibt der schale Nachgeschmack, dass Metropolen nicht nur Visionen, sondern auch echte Herausforderungen exportieren. Ihr Status als Motor treibt zwar das Bruttoinlandsprodukt und versorgt uns mit optimistischen Pressemitteilungen, verwandelt die urbane Realität aber keineswegs in ein schmerzfreies Abenteuerland. Dennoch: Wer im Konzert der Großen spielen will, darf sich eben keine langen Pausen gönnen – schon gar nicht auf dem Sektoren-Gleis zwischen „Wir sind Innovationsführer“ und „Bitte nicht alle auf einmal einziehen!“.

Nun steht eines außer Frage: Metropolen sind und bleiben die Dreh- und Angelpunkte des globalen Wirtschaftsgeschehens. Ihr Hunger nach Innovation, Kapital und Talenten wird kaum zu stillen sein. Doch während im Marketing-Exposé der urbanen Zukunft der Himmel stets blau ist, wissen Bewohner längst: Wer im städtischen Wirtschaftsmotor mitfährt, braucht ein gutes Navigationssystem – und einen sicheren Platz im nächsten Fahrstuhl nach oben.

   

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