Warum Lage für Business-Hotels neu definiert wird

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Die Standortwahl gilt seit Jahrzehnten als entscheidender Wettbewerbsfaktor im Segment der Business-Hotels. Vor allem Nähe zum Flughafen, Bahnhof oder Messegelände bestimmten oftmals das Erfolgspotenzial eines Hauses. Doch diese Zeit ist eindeutig vorbei. Aktuelle Entwicklungen im Geschäftsreisemarkt verlangen eine Neudefinition von Lage: Flexibilität, urbane Integration und infrastrukturelle Anbindung werden künftig über den wirtschaftlichen Erfolg eines Business-Hotels entscheiden.

Traditionelle Standortfaktoren verlieren an Bedeutung

Für viele Jahre war das Credo einfach: Je näher an den klassischen Anlaufpunkten für Geschäftsreisende – insbesondere Flughäfen und Hauptbahnhöfen – desto besser die Buchungslage. Diese Gleichung funktioniert heute nicht mehr uneingeschränkt. Heimarbeitsmodelle, digitale Meetings und sich wandelnde Branchenanforderungen führen dazu, dass die reine Nähe zur Mobilitätsdrehscheibe an Relevanz verliert. Vielmehr wollen Unternehmen ihren Mitarbeitern Aufenthalte ermöglichen, die Flexibilität und Lebensqualität verbinden.

Stadtnahe Lagen gewinnen an Attraktivität

Urbane Konnektivität ist mittlerweile ein entscheidendes Kriterium: Geschäftsreisende möchten nicht isoliert am Stadtrand wohnen, sondern Teil eines belebten Quartiers sein. Die Nähe zu Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten sowie kulturellen und sozialen Treffpunkten wird zunehmend als Mehrwert empfunden. Moderne Business-Hotels setzen deshalb auf eine gezielte Einbindung in das städtische Gefüge und fördern damit das individuelle Wohlbefinden der Gäste.

Verändertes Mobilitätsverhalten und neue Ansprüche

Das Reiseverhalten verändert sich spürbar. Viele Geschäftsreisende reisen heute kürzer, dafür gezielter. Sie nutzen öffentliche Verkehrsmittel, alternative Mobilitätsangebote und legen Wert auf Nachhaltigkeit im Reiseprozess. Ein Hotel, das auf gut ausgebaute Nahverkehrsnetze setzt und sich nahtlos in die urbane Infrastruktur integriert, wird dadurch wesentlich attraktiver. Barrierefreie Mobilität und die Anbindung an E-Mobilitätslösungen sind mittlerweile keine Option mehr, sondern Erwartungshaltung.

Infrastruktur als Erfolgsfaktor

Schnelle, zuverlässige Erreichbarkeit unabhängig vom Verkehrsmittel – das ist der neue Standard. Ein Business-Hotel, das verkehrstechnisch ungünstig liegt oder keine Anbindung an Car-Sharing, Fahrradverleih oder ÖPNV bietet, verliert an Relevanz. Hinzu kommen neue Anforderungen: Ladesäulen für E-Autos am Hotel, digitale Concierge-Services zur Planung der An- und Abreise und Kooperationen mit lokalen Mobilitätsdienstleistern sind längst kein Luxus mehr, sondern eindeutige Wettbewerbsvorteile.

Der Einfluss der urbanen Einbindung auf die Hotelpositionierung

Business-Hotels, die eng mit ihrer Umgebung verzahnt sind, profitieren mehrfach. Sie sprechen nicht nur Geschäftsreisende an, sondern gewinnen auch lokale Zielgruppen. Ob für Afterwork-Events, Business-Lunches oder Projektmeetings – ein Hotel, das im Viertel akzeptiert und integriert ist, erweitert sein Geschäftsmodell um zusätzliche Erlösquellen. Gerade im Wettbewerb mit Serviced Apartments und Co-Working-Spaces wird diese Offenheit zur Überlebensfrage.

Standort als Teil der Markenidentität

Die Lage wird zunehmend integrativer Bestandteil der Hotelmarke. Hoteliers setzen auf authentische, standortbezogene Erlebnisse: Von der Kooperation mit lokalen Gastronomen bis hin zur Integration von Kunst und Design der Region – das Umfeld wird bewusst in das Hotelerlebnis eingebunden. Diese Strategie schafft Alleinstellungsmerkmale jenseits von Zimmerstandard und Frühstücksbuffet.

Welche Standorte profitieren künftig?

Spannend sind Quartiere, die Mobilität, Urbanität und Aufenthaltsqualität kombinieren. Zentrale, aber nicht überlaufene Stadtteile, innovative Stadtentwicklungsgebiete sowie Areale mit starker Vernetzung zum öffentlichen Nahverkehr werden in den Fokus rücken. Hotels in isolierten Flughafenrandlagen werden es schwerer haben, sich langfristig zu behaupten. Zudem profitieren Regionen, die gezielt nachhaltige Infrastruktur und Nahversorgung ausbauen, besonders.

Risiken und Herausforderungen für die Branche

Die Neudefinition des Faktors Lage bringt Investitionsdruck. Hotels müssen in Flexibilität und Technik investieren, um in urbanen Märkten konkurrenzfähig bleiben zu können. Wer sich der städtischen Dynamik verschließt, setzt seine eigene Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel. Erschwerend hinzu kommt, dass zentrale Standorte oft höhere Kosten verursachen und eine anspruchsvolle Nachbarschaftswirtschaft erfordern. Das verlangt strategischen Weitblick und partnerschaftliche Kooperationen.

Die Zeit des einfachen Standortarguments ist vorbei. Zukunftsfähige Business-Hotels werden sich als Teil eines lebendigen, flexiblen und gut vernetzten Stadtraums positionieren müssen. Wer es versteht, urbane Infrastruktur, Mobilität und Aufenthaltsqualität zu verknüpfen, wird von der steigenden Komplexität des Geschäftsreisemarkts profitieren und die eigene Wettbewerbsposition langfristig stärken.

   

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