
LinkedIn – das Business-Netzwerk, von dem alle sprechen und von dem viele glauben, es sei mit dem berühmten goldenen Kalb gleichzusetzen. Wer heutzutage als Unternehmen noch nicht auf LinkedIn vertreten ist, der hat quasi schon verloren. Oder fehlen da etwa nur die berühmten Unternehmensposts mit Herzchen, Lobgesängen auf die grandiose Teamkultur und wie toll der neue Drucker funktioniert?
LinkedIn – das gallische Dorf unter den Social-Media-Plattformen
Im Schatten von Facebook und Instagram fristete LinkedIn lange Zeit ein Nischendasein – nur für Anzugträger und Leute, deren Krawattensammlung größer ist als ihre Visitenkartensammlung. Doch jetzt ist LinkedIn überall: als Bühne für steile Karrieren, Inspirationsquelle für Lebensweisheiten in schleifenlosen Sätzen und, weniger überraschend, als glorreicher Lead-Generator für Unternehmen. Angeblich. Zeit, mal kritisch zu prüfen, wie Unternehmen den Kanal wirklich nutzen sollten – jenseits von peinlichen Eigenlobposts mit stock photography.
Content, der keiner ist – von Whitepapers und Wohlfühl-Vibes
Unternehmen sollen und wollen Content auf LinkedIn veröffentlichen – am besten Content, der so relevant ist, dass die Follower vor lauter Begeisterung schon Fingerkrämpfe vom Liken bekommen. Doch oft besteht das „Content-Marketing“ darin, Whitepapers von 2019 mit neuen Farben als „hochaktuelle Insights“ zu verkaufen oder Mitarbeiter mit XXL-Champagnerflasche bei der Preisverleihung in Szene zu setzen. Zeitgemäßer Content klingt anders. Wie wäre es, tatsächlich relevante Branchenthemen zu diskutieren? Oder sich mal kritisch zur Lage der Bürostuhlindustrie zu äußern – anstatt monatlicher Jubelmeldungen, dass das Team endlich wieder den vorletzten Pitch gewonnen hat?
LinkedIn-Gruppen: Der exklusive Club, aus dem niemand ausgeschlossen wird
Sie gelten als das geheime Power-Tool: die LinkedIn-Gruppen! Hier soll der wahre Austausch stattfinden. In Wahrheit jedoch gleichen manche Gruppen eher schlecht moderierten PowWows, in denen selbsternannte Experten gegenseitig ihre Links posten und mittelalte Studienergebnisse durchkauen. Wer es schafft, eine aktive, relevante Gruppe zu initiieren und zu moderieren, dem sollte man den digitalen Heiligenschein verleihen.
Leadgenerierung: Der Mythos vom Business-Eldorado
LinkedIn verspricht nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch heiße Leads – qualifizierte Geschäftskontakte, direkt aus der Business-Antwortmaschine. Theoretisch. Praktisch startet Leadgenerierung auf LinkedIn meist mit harmlosen Kontaktanfragen, gefolgt von 15-fach kopiertem Sales-Pitch im Nachrichteneingang. Überraschung: So generiert man eher blockierte Kontakte als qualifizierte Leads. Einen wirklichen Vorteil sichern sich Unternehmen nur mit authentischer Kommunikation, echten Mehrwerten und einer Prise Geduld. Kurz: Wer direkt mit der Haustür ins C-Level-Büro fällt, braucht sich nicht über kalte Schulterklopfer wundern.
LinkedIn Ads – Wo Budget und Fantasie sich begegnen
Stolze Targeting-Optionen, astronomische Preise: Willkommen in der Welt der LinkedIn Ads! Wer früh gelernt hat, dass Streuverluste schlimmer sind als Vertipper in der Steuererklärung, fühlt sich hier pudelwohl – zumindest solange das Marketingbudget nicht schneller schmilzt als das Eis im Meetingraum. Erfolgsentscheidend ist, kreative Anzeigenformate mit relevanten Inhalten zu kombinieren und nicht bei „Jetzt mitmachen!“ im Anzeigentext stehen zu bleiben. Platzhirsch-Mentalität zahlt sich hier wenig aus: lieber zielgerichtet und mit getesteten Conversion-Elementen.
Employer Branding: Glänzen für die Generation Z
Wer glaubt, Unternehmen posten auf LinkedIn nur für Kunden, hat die Rechnung ohne die Personalabteilung gemacht. LinkedIn ist längst das Schaufenster für Arbeitsplatzsuchende, deren Lieblingsfarbe Latte Macchiato ist. Zwischen „Wir haben eine neue Kaffeemaschine“ und „Das beste Benefits-Paket jenseits von Hogwarts“ versucht jedes Unternehmen, die coolste Crew der Branche zu präsentieren. Ob das wirklich den perfekten Kandidaten bringt? Zumindest gibt es nie genug Gründe, sich auf LinkedIn gegenseitig zu feiern.
Erfolgsfaktoren: Wie man weniger nervt und mehr erreicht
Was bleibt also von LinkedIn für Unternehmen übrig, nachdem das Buzzword-Bingo verflogen ist? Authentizität, Qualität und konsistente Interaktion. Wer glaubt, sein LinkedIn-Marketing könne mit drei Hashtags und einer gestreuten Infografik skaliert werden, dürfte auch beim Versuch, mit Faxgeräten Cryptocurrency zu minen, irgendwann an Grenzen stoßen. Der Schlüssel liegt im Zuhören, Diskutieren und Nahbarsein – keine Raketenwissenschaft, aber für überraschend viele Unternehmen offenbar eine Herausforderung.
In einem Zeitalter, in dem sich Erfolg oft am Applaus unter Arbeitskollegen misst und Mythen über die LinkedIn-Wirkung endlos repliziert werden, lohnt sich ein Blick auf echte Interaktion und echten Mehrwert. Wer es schafft, auf LinkedIn nicht zum Content-Zombie zu werden und stattdessen einen Hauch von Persönlichkeit zeigt, gewinnt vielleicht nicht das Rennen um den lautesten Post – aber womöglich das Interesse der Menschen, die für das eigene Business wirklich zählen. LinkedIn ist eben kein Laufband für Lobeshymnen, sondern ein Netzwerk, das echte Beziehungen belohnt – auch wenn das weniger nach Social-Media-Märchen klingt, als uns mancher Berater weismachen möchte.
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