
Willkommen zur jährlichen Pflichtveranstaltung der Superlative für sämtliche Tech-Junkies, Digital-Visionäre und alle, die gerne Produkte bestaunen, die maximal in Beta-Versionen auf Tiktok viral gehen: die Consumer Electronics Show – kurz CES – versammelt die Weltelite der Knöpfchendrücker wie ein Klassentreffen für ambitionierte Erfinder und feuchte Werbestrategen-Träume. Wirklich jeder, der schon immer wissen wollte, wer den fünfhundertsten Smart-Speaker mit exakt den gleichen Features vorstellt – nur diesmal in pastellgrün – wird hier fündig. Doch keine Sorge: Innovation gibt es im Überfluss (und Ironie gleich dazu).
Was ist die CES überhaupt – und wo steht die Welt Kopf?
Las Vegas, die Metropole für alles, was grell, laut und minimal subtil ist, wird jedes Jahr im Januar zum Magneten für die Crème de la Crème der Branche. Hier treffen sich Tech-Giganten, Startup-Minimalisten, und die gesamte Influencer-Aristokratie, um drei Dinge zu tun: sehen und gesehen werden, all das neueste, noch nie dagewesene (oft auch nie wieder gesehene) Gerät bestaunen und gemeinsam fasziniert feststellen, dass der Fortschritt inzwischen WLAN braucht, um sich die Schuhe zuzubinden.
Innovationen: Von Wichtig bis Weltbewegend… oder war das umgekehrt?
Kein Event markiert so zuverlässig den Beginn eines neuen Technikzeitalters, das am Ende doch auf dem letzten Smartphone-Kamera-Upgrade basiert. Wer auf die CES fährt, kann sicher sein: Hier entstehen die Trends von morgen – oder zumindest von übermorgen, sofern es eine ordentliche Powerbank dazu gibt. Vom Toaster, der deine Stimme erkennt, bis hin zur VR-Brille, mit der du endlich – live und in Farbe – deiner Katze beim Schlafen zusehen kannst: Alles ist möglich und wird natürlich mit einstudiertem Enthusiasmus präsentiert.
Aussteller: Wichtiger als die Oscars – mit mehr Licht und weniger Konzept
Die wichtigsten Aussteller der CES sind immer dieselben: große Namen, große Stände, große Ankündigungen. Samsung, LG, Sony oder Google – sie alle versuchen jedes Jahr, die Innovationsspirale noch ein Stück weiter zu drehen. Doch auch Newcomer und Start-ups dürfen mal ran (sofern sie mit leuchtenden LED-Jacken und Tabletdisplay im Schlepptau anrücken). Wer genügend Budget für eine größere Standfläche oder auffällig genug leuchtende Sneakers mitbringt, schafft es geradewegs in die Technologietagespresse – und wer weiß, vielleicht gibt’s ja dieses Jahr auch eine App, die die eigene Ironie versteht.
Warum internationale Entscheider teilnehmen – abgesehen vom Buffet
Die CES ist kein harmloses Treffen für Tech-Nerds, sondern das globale Parkett, auf dem die Weichen für ganze Geschäftsmodelle gestellt werden. Netzwerken auf höchstem Niveau – ob am Messestand, beim Lavazza-Kaffee oder während einer der obligatorischen Nightlife-Einlagen in den Fluren der Konferenzräume. Wer hier nicht mitmacht, überlässt den anderen freiwillig das letzte Wort (und alle relevanten Kontakte).
Was bringt die CES der Welt und warum spielt Las Vegas eine so große Rolle?
Der eigentliche Clou der Messe ist freilich die Illusion permanenter Innovation, die alle mitspielt und die das Geschäftsmodell perfektioniert. Nirgends sonst bekommt die Öffentlichkeit derart geballt gezeigt, was sie alles verpasst hat, während sie noch ihre Geräte von vorgestern updatefähig hält. Las Vegas ist dabei nicht nur Bühne, sondern Programm: Blinkende Casinos, aufgeregte Touristen, Datenträger in allen möglichen Formen – Innovation muss schließlich ins Unerwartete eingebettet werden, und was eignet sich da besser als eine Stadt, in der sich Tradition und Zukunft im Neonlicht küsst?
Networking: Wer grüßt wen und warum?
Ganz im Ernst: Wer die CES besucht, sucht Briefing, Inspiration – und vor allem die Möglichkeit, Kontakte zu schließen, die auf LinkedIn als „synergetische Partnerschaften“ verewigt werden. Es ist ein Staunen und Raunen, wenn CEOs ihre Visitenkarten zücken und nach vorn stürmen, um noch schnell in letzter Sekunde das nächste Missverständnis über Blockchain zu klären.
Action: After Show? Nach der Messe ist vor der Messe
Selbstverständlich gibt es nach den druckvollen Keynotes und halb verstandenen Panels die wirklich wichtigen Ereignisse: abendliche Networking-Cocktails, private Produktpräsentationen mit Chia-Samen-Snack-Bars oder einfach Fahrradtouren im Slotmaschinen-Licht. Wer glaubt, das Networking ende pünktlich 18 Uhr, genießt sicher auch Filme in der AR-Brille ohne Strom.
Hat all das wirklich Bedeutung?
Sarcastic spoiler ahead: Natürlich. Denn ohne die CES würden Unternehmenslenker, Medien und Endverbraucher vermutlich das Gefühl verlieren, technologisch noch Luft nach oben zu haben. Hier werden Standpunkte gesetzt, Hoffnungen geweckt und der Innovationsturbo (zumindest rhetorisch) angeworfen. Die Messe verkauft uns seit Jahrzehnten, dass das nächste große Ding bereits jetzt in einer abhörsicheren Glastheke steht – gleich neben den Ladekabeln fürs Vorgängermodell.
Die CES Las Vegas bleibt das globale Schaufenster für alles Digitale. Sie liefert nicht nur Trendinput, sondern auch das kollektive Gemeinschaftserlebnis, gemeinsam auf das nächste große Zukunftsgerücht zu wetten. Und während der Messetrubel im Casino-Rauschen langsam abebbt, freuen sich Teilnehmer, Aussteller und Zuschauer gleichermaßen auf das nächste Mal, wenn Las Vegas im Januar zum Epizentrum der digitalen Euphorie und des gepflegten Überbietungstheaters wird – ganz ohne das Versprechen, diesmal alles anders zu machen.
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