Mobile World Congress Barcelona: Zukunft der Kommunikation

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Kaum zu glauben, aber wahr: Einmal im Jahr trifft sich, was in Sachen Mobilfunk und Vernetzung Rang und Namen hat – und zwar nicht etwa im heimeligen Hinterzimmer eines deutschen Telekom-Büros, sondern unter Palmen in Barcelona. Während anderswo noch darüber debattiert wird, ob das Fax nicht vielleicht doch ein zukunftsfähiges Kommunikationsmittel ist, setzt der Mobile World Congress (MWC) selbstverständlich Maßstäbe. Wer sich fragt, ob und warum man das Geschehen beachten sollte – nun, lassen Sie uns gemeinsam einen ironisch-kritischen Blick auf die Weltleitmesse für mobile Kommunikation werfen.

Das Schaulaufen der Global Player

Eigentlich ist es ganz einfach: Riesige Hallen, kilometerlange Teppiche, zahllose Kaffeemaschinen und eine unüberschaubare Zahl an CEO-Badges. Jedes Jahr pilgert das Who-is-Who der Branche ob Smartphone, IoT oder 6G nach Barcelona. Hier treffen Unternehmen aufeinander, die einander sonst freundlich per LinkedIn ignorieren würden. Zwischen Standbesichtigungen und PowerPoint-Präsentation entdeckt man viel Innovation – zumindest laut Marketingabteilung. Und während sich traditionelle Telkos gegenseitig erklären, wie disruptive sie doch sind, überlegt der Rest der Welt, ob das WLAN wohl hält.

Innovation oder PR-Feuerwerk?

Nicht selten entsteht der Eindruck, dass der eigentliche Wettbewerb beim MWC weniger um Innovation als um das imposanteste Stand-Catering und die ausgefallenste Insta-Wand geführt wird. Zwar wird jedes Jahr die nächste Mobilfunkrevolution samt bahnbrechender Gerätegattung vorgestellt (Foldables, anyone?), doch am nächsten Tag landen die Neuheiten erst einmal im Pappkarton auf dem Rückflug. Die wirklich wichtige Frage dabei: Wie viele Pressemitteilungen werden pro Aussteller während der Messe tatsächlich gelesen – und zwar bis zum Ende?

Die Themen im Fokus: 5G, 6G…same procedure as every year

Natürlich dreht sich auf dem MWC alles um die Themen, die wirklich jeden bewegen – 5G, 6G, noch smartere Smart Devices und KI bis zum Erbrechen. Die Rednerlisten schmücken sich gern mit Titeln wie „Head of Digital Transformation“ oder, besonders kreativ, „Chief Futurist“. In schmissigen Panel-Debatten werden Buzzwords wie „Edge Computing“ und „Open RAN“ so inflationär gestreut, dass selbst gestandene Branchenkenner irgendwann nicht mehr genau wissen, worum es eigentlich geht. Aber immerhin: Neue Abkürzungen gibt es jedes Jahr gratis dazu.

Was Unternehmen unbedingt wissen sollten

Für Firmen mit Ambitionen (oder zumindest Budget für Auslandsreisen) gilt: Wer nicht in Barcelona aufschlägt, schaufelt sich digital sein eigenes Grab. Oder zumindest suggerieren das ambitionierte Social-Media-Posts aller teilnehmenden Unternehmen. Es genügt längst nicht mehr, „nur“ eine Standfläche zu buchen – heutzutage geht es um Networking-Events mit schlechten Cocktails, Selfies mit Influencer:innen am Rande des Nervenzusammenbruchs und einem Messe-Recap, der mindestens auf LinkedIn viral gehen muss. Wer dabei im Business-Bingo den Begriff „Disruption“ nicht mindestens zwölf Mal fallen lässt, wird rigoros aus den wichtigsten afterhour WhatsApp-Gruppen entfernt (natürlich DSGVO-konform).

Wie Innovation präsentiert wird: Show statt Inhalt?

Man kann dem MWC wirklich keine mangelnde Inszenierungsfreude vorwerfen. Die größte Herausforderung für Besucher besteht darin, sich nicht an endlosen Videowalls oder Virtual-Reality-Installationen zu stoßen. Wer zwischendurch den Anflug von Sinnkrise verspürt, kann sich an einem der 2000 Kaffeespendenautomaten trösten – eigene App für die Bestellung und Warteschlangen-Management inklusive. Inhaltliche Tiefe? Ist natürlich vorhanden, schließlich kann man tagsüber kistenweise Whitepaper ohne Lesebestätigung herunterladen. Aber bitte keine kritischen Nachfragen an der Innovationsbühne: Da könnte das fragile Konstrukt der Eigendarstellung ins Wanken geraten.

Die Kunst, aufzufallen: Von Robo-Hunden bis Blockchain-Klos

Hand aufs Herz: Es geht beim MWC längst nicht mehr nur um Kommunikation im klassischen Sinne. Zwischen den altbekannten Netzausrüstern und milliardenschweren Big Techs tummeln sich allerlei Start-ups, deren Geschäftsmodell so disruptiv ist, dass es nicht einmal deren Praktikanten wirklich verstehen. Mitgebracht werden dann autonome Roboterhunde, Blockchain-basierte Toilettenspülungen und andere visionäre Ideen, über die der vielzitierte Markt „ganz sicher“ bald entscheidet. Wer die Aufmerksamkeit auf sich lenken will, sollte sich für eines dieser Trends entscheiden – oder für ein Gewinnspiel mit Gratisladegeräten.

Die Teilnahme: Pflicht, Kür oder Selbstbespaßung?

Für viele Unternehmen ist der MWC ein Pflichttermin – Man will schließlich nicht zugeben, dass die eigene Innovationsstrategie weniger auf Messen, sondern mehr auf Präsentationen mit hastig eingefügten ChatGPT-Texten basiert. Andere wiederum feiern die Messe als Gelegenheit, endlich wieder als Visionär zu erscheinen, obwohl im Backoffice noch mit Windows 7 gearbeitet wird. Für den geneigten Fachbesucher stellt sich vor allem die Frage: Wie viele Visitenkarten (aus Papier, versteht sich!) nimmt man dieses Jahr mit – und lohnt sich das als CO2-Ausgleich für den Flug überhaupt?

Fazit: Wer hier nicht war, hat ganz sicher nichts verpasst…oder?

Am Ende bleibt der MWC eine Veranstaltung der Superlative: Man kann mit etwas Glück alles erleben, vom visionären Start-up-Snack bis hin zur internationalen Business-Diplomatie am Buffet. Wer sich wichtig fühlt, ist hier genauso richtig wie all diejenigen, die sich fragen, wann die echten Innovationen endlich dem Alltag ankommen. Bis dahin werden wir getrost weiter jedes Jahr die gleiche kommunikative Revolution bestaunen – und heimlich hoffen, dass irgendwann auch das WLAN auf der Messe funktioniert. In diesem Sinne: Save the Date, und viel Spaß beim Networking.

   

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