Active Sourcing und Headhunting

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Die altmodische Vorstellung, dass sich Talente von selbst bewerben und der Recruiter nur mit einer Tasse Kaffee nebenbei ein paar Lebensläufe sichtet, war vielleicht schon immer ein Märchen. Heute wissen wir: Wer im modernen Recruiting wirklich glänzen will – und ganz ehrlich, wer will das nicht? – muss auf Active Sourcing und Headhunting setzen. Schließlich konkurrieren wir alle um das seltene Einhorn: den perfekten Mitarbeiter, der nicht nur arbeitet, sondern auch freitags das Büro kehrt.

Warum klassische Stellenanzeigen oft zum Rohrkrepierer werden

Früher hat man eine Anzeige geschaltet, gewartet und sich dann über die Flut qualitativ hochwertiger Bewerbungen beschwert. Naja, zumindest im Traum. Realistisch gesehen trudeln heutzutage oft – wenn überhaupt – Standardbewerbungen ein, die selten einen Begeisterungssturm auslösen. Fachkräftemangel? Digitalisierung? Remote Work? Willkommen im Jahr 2024, in dem Talente eben nicht auf Bäumen wachsen und sich noch weniger von einer grauen Jobbeschreibung elektrisieren lassen.

Von unsichtbaren Talenten und ihrer sturen Unauffindbarkeit

Die besten Talente sind nicht arbeitslos, sondern clever versteckt: Sie sitzen sattelfest im Sattel, lassen sich gerne umschmeicheln, aber selten locken. Passive Kandidaten werden sie genannt – ein Euphemismus für „Warum sollte ich überhaupt wechseln?“. Die Lösung? Proaktive Kandidatensuche, besser bekannt als Active Sourcing und der König aller Personaljagden: das Headhunting.

Active Sourcing – oder: Wie man Wildwuchs im Bewerberdschungel lichtet

Active Sourcing ist das Recruiter-Äquivalent zum Pilzesammeln im Wald – mit dem kleinen Unterschied, dass der Wald inzwischen so dicht und undurchsichtig ist, dass man eigentlich eine Machete braucht. Um eine Chance zu haben, muss man Netzwerke wie LinkedIn, Xing und Co. nicht nur kennen, sondern regelrecht durchforsten. Wer hier lediglich filtert, wird Kandidaten mit so viel Leidenschaft erreichen wie Spam-Emails im Posteingang landen.

Die hohe Kunst liegt also darin, aus einem Meer von Profilen jene wenigen Rohdiamanten zu identifizieren, die nicht aktiv suchen, aber womöglich bereit wären, für ein besseres Angebot in See zu stechen. Recruiting wird damit weniger zur klassischen Auktion als zu einer Mischung aus Schnitzeljagd, Speed-Dating und diplomatischem Verhandlungsgeschick.

Die Psychologie des Wunschkandidaten: Mehr als Schmeichelei

Wer hier punkten will, muss nicht nur mit technischen Filtern jonglieren, sondern fast schon psychologische Meisterleistungen vollbringen. Zwischen subtilen Komplimenten und gekonnter Selbstvermarktung balanciert der Recruiter auf einem schmalen Grat. Einfach nur einen Link zur Stellenanzeige zu senden? Wie charmant, als würde man ein blindes Date zu McDonald’s einladen.

Headhunting: Die Kunst der gezielten Versuchung

Wer glaubt, Headhunter tauchen wie Agenten im Nebel auf, ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Sie nehmen gezielt Kontakt zu Spezialisten auf, pflegen elitäre Kontakte, schicken Geheimnachrichten und führen vertrauliche Gespräche – das James-Bond-Feeling gratis dazu. Ziel ist es, Fachkräfte aus anderen Unternehmen zu locken, ohne dass es nach plumpem Abwerben riecht. Anstand und Diskretion sind wichtig – zumindest solange, bis die Konkurrenz den Kaffee verschüttet.

Methoden, die Kopf und Bauch überzeugen

Gute Headhunter sind keine Zauberer, sondern Psychologen inklusive Spürnase. Über diskrete Ansprache, individuelle Benefits und das Schmeicheln des Egos gelingt es im besten Fall, Kandidaten neugierig zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, dass es da draußen noch eine Steigerung ihrer heutigen Existenz gibt. Gerüchteweise haben schon manche Führungskräfte nach einem solchen Gespräch ihren Lebenslauf entstaubt.

Best Practices und die häufigsten Fehltritte

Wie alles im Leben kann auch Active Sourcing kolossal schiefgehen. Kaltakquise-Nachrichten, generisch und lieblos, werden schneller gelöscht als man „Datenschutz“ buchstabieren kann. Erfolgreich ist nur, wer individuelle Ansprache, Branchen-Know-how, Fingerspitzengefühl und ein bisschen Ironie (für die unvermeidbaren Absagen) kombiniert.

Tools wie talent pools, spezialisierte Software und Automatisierung klingen nach 2026, aber letztlich bleibt Recruiting trotz Digitalisierung ein Beziehungsgeschäft. Menschlicher Kontakt, Wertschätzung und Fingerspitzengefühl lassen sich eben nicht durch Algorithmus ersetzen – und nein, ChatGPT kann das auch (noch) nicht.

Die Schattenseiten: Kosten, Ethik und die Jagdgründe der Konkurrenz

Active Sourcing und Headhunting sind keine günstigen Vergnügungen. Sowohl Zeit- als auch Kostenaufwand sind hoch, besonders wenn externe Agenturen im Spiel sind. Außerdem bewegt man sich gelegentlich hart an der Grenze zum Poaching. Wer allerdings glaubt, dass Moral das Spiel dominiert, hat den Rekrutierungszirkus falsch verstanden. Letztendlich will jeder die Besten – und das Terrain dafür wird härter und härter umkämpft.

Active Sourcing und Headhunting sind keine geheimen Zauberkünste, sondern notwendige Disziplinen für Unternehmen, die im Talentwettbewerb bestehen wollen. Wer die besten Köpfe sucht, muss proaktiv, empathisch und strategisch vorgehen – und darf sich von Körben nicht entmutigen lassen. Schließlich gilt: Wer nur wartet, bekommt vielleicht den, der übrig bleibt. Wer sucht, findet – mit etwas Glück – den, der den Unterschied macht.

   

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