
Herzlich willkommen in der glitzernden Welt der urbanen Wohnträume, die für viele inzwischen eher Albträume sind. Kaum jemand kann sich das Wohnen in der Stadt leisten, aber alle wollen es. Der Witz dabei: Gerade das Wohnen ist heute zum wichtigsten Standortfaktor für Unternehmen und Politik geworden – natürlich vollkommen überraschend und aus heiterem Himmel. Wer hätte auch ahnen können, dass steigende Mieten und ein Mangel an kreativ inszenierten Mikroapartments plötzlich darüber entscheiden, ob ein Unternehmen in Berlin, München oder Frankfurt noch eine Fachkraft findet?
Die Metropole als Wohnwüste: Wenn die Miete die Karriere frisst
Städte werben, als gäbe es kein Morgen, um internationale Talente und innovative Unternehmen. Aber in der Realität ist die Wohnungssuche eher ein Survival-of-the-Fittest. Welcome to the Urban Jungle! Die Aussicht auf 15 Quadratmeter für 1200 Euro kalt ist durchaus ein Standortfaktor – insbesondere für junge Absolventen mit dem Traum vom urbanen Leben (und der ausgeprägten Bereitschaft zur Selbstverleugnung). Kein Wunder, dass die Suche nach dem heiligen Gral, dem bezahlbaren Wohnraum, mittlerweile fast als gesellschaftlicher Sport gilt.
Steigende Mieten als Karrierebeschleuniger? Ein neuer Volkssport
Die Lösung der Städte lautet oft: noch mehr Luxusprojekte mit energetisch völlig bedenklichen Glasfassaden oder hippe Mikro-Lofts mit eingebauter Yoga-Ecke. Der Standardmieter? Naja… der wird schon irgendwie unterkommen. Unternehmen merken schnell, dass Bewerber nicht nur einen Laptop und einen Obstkorb brauchen, sondern auch ein Dach über dem Kopf, das sie nach dem 16-Stunden-Tag tatsächlich wiederfinden.
Unternehmen im Wohnungs-Clinch
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein globaler Konzern und locken IT-Fachkräfte nach Frankfurt. Der Bewerber kommt zum Gespräch und fragt ganz keck: Wo kann ich hier unter 2000 Euro wohnen? Die Antwort: irgendwo in Offenbach, falls Sie ein Auto mögen, oder auf dem Land, falls Sie Kühe mögen. Recruiting-Gespräche drehen sich heute zunehmend um Quadratmeterpreise und weniger um das Büro mit Ausblick.
Innovative Wohnkonzepte: Da geht noch was
Die Politik verspricht jährlich den Wohnungsbau neu zu erfinden. „Modulare Bauweise“, „Nachverdichtung“, „Stadt der kurzen Wege“, „Wohnen auf dem Supermarkt“. Alles dabei, von innovativ bis abenteuerlich. Am liebsten werden dabei die Konzepte für die hippe Mittelschicht entwickelt, nicht selten vorbei an denen, die tatsächlich kämpfen – zum Beispiel um die Vermeidung von WG-Castings im Zehn-Minuten-Takt.
Stadt, Wirtschaft, Wohnungsnot: Ein Dreikampf mit vorhersehbarem Gewinner
Neue Wohnkonzepte werden von Unternehmen und Städten als Allheilmittel verkauft. Dabei vergessen viele: Jeder neue Tower und jedes neue Co-Living-Angebot verschiebt die Preisspirale ein bisschen weiter nach oben. Klar, ein Start-up will ein cooles Loft nahe am Kiez. Nur blöd, wenn das einzige, was dort cool ist, die Außentemperatur zwischen den maroden Fenstern ist. Der Weg zur Lösung: Innovation! Gemeint sind meist neue Apps zur Wohnungssuche. In der Hoffnung, eine App verschafft den dringend gesuchten 2-Zimmer-Wohnungen irgendwo in der Innenstadt einen plötzlichen Wachstumsschub.
Politik am Limit – Wirtschaft im Zugzwang
Wer heute bezahlbares Wohnen als Standortvorteil bietet, kann Unternehmen anlocken – das predigen Trendforscher. Die Realität? Rent Gap, Gentrifizierung und Investoren, die mehr vom schnellen Kapital als von fürsorglichem Städtebau träumen. So wird die Wohnung häufig zum Statussymbol: Wer eine Bleibe in zentraler Lage findet, gewinnt nicht nur bei der Gehaltsverhandlung, sondern auch im sozialen Ranking.
Der alternative Markt: Tiny Houses und temporäres Wohnen
Wer Wohnen neu denkt, landet in der „Sharing Economy“: Mitbewohner, Zeitwohn-Modelle, Tiny Houses oder kreative Lagerhallen-Konzepte sind der neue Schrei für alle, die Mainstream schon mit dem Mietvertrag abgeben mussten. Unternehmen bündeln mittlerweile Wohnraum in eigenen Plattformen – eine Art Recruiting-Tool mit städtischer Note. So bleiben Fachkräfte wenigstens bis zur Probezeit, bevor sie aufs Land fliehen (mit Option auf Homeoffice, versteht sich).
Die große Suche nach Balance – und Bodenhaftung
Städte, Wirtschaft und Politik stehen vor dem Spagat: Wettbewerbsfähig bleiben UND Wohnen ermöglichen. Angesichts der Preisdynamik verschiebt sich das Gleichgewicht dabei stümpferhaft Richtung „Geld gewinnt immer“. Wer wirklich wissen will, wie es um einen Standort steht, fragt am besten: Wer kann sich den durchschnittlichen Mietpreis leisten – und warum ist die Antwort meistens „niemand“?
So wird Wohnen zum knallharten Standortfaktor im globalen Kampf um Köpfe, Kapital und Innovationskraft. Die Zeiten, in denen Lohn und Wetter über Zuzug entschieden, sind vorbei. Heute fragt man nach Quadratmetern, Kaltmiete und Schallschutz. Wer als Stadt also zukünftig vorne mitspielen will, muss weiterdenken als bis zur nächsten Luxusimmobilie. Es braucht neue Ideen, Mut zum Unbequemen und – möglicherweise – den ein oder anderen Schritt zurück zum echten Gemeinwohl, bevor der Wohnungsmarkt am eigenen Erfolg erstickt. Andernfalls bleibt Metropolen nur noch eins: der Titel „unbewohnbar attraktiv“.
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